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Editopia 2026: Tagungsbericht und Selbstversuch

Prompt 1: Erstellen der XML-Datei
Prompt 2: Erstellen der "Mini-Edition"
Prompt 3: Hinzufügen der Annotationen
Screenshot der fertigen "Mini-Edition"

Ein Tagungsbericht zur Editopia 2026 von Charlotte Grünig.

Vom 02. bis zum 04. September 2026 hatte ich die Chance an der Editopia 2026 in Wuppertal teilzunehmen, die vom Institut für Dokumentologie und Editorik (IDE) veranstaltet wurde. Unter dem Thema „Zur Zukunft von Dokumentologie und Editorik im Postdigitalen“ sollte sowohl das 20-jährige Jubiläum des IDE gefeiert werden als auch reflektiert werden, wohin sich die Digitale Editorik in den nächsten 20 Jahren entwickeln könnte.

Die Teilnahme wurde mir als (Very) Early Career Researcher durch ein Reisekostenstipendium des DHd-Verbands für DH-nahe Tagungen ermöglicht. Vor allem da es sich um meine erste Tagungsteilnahme gehandelt hat und ich mich noch so früh in meiner Laufbahn als DHlerin befinde, möchte ich mich besonders für diese Möglichkeit bedanken! Außerdem möchte ich mich bei dem Team der Universität Wuppertal und allen Beteiligten von außerhalb dafür bedanken, dass sie so eine spannende Tagung auf die Beine gestellt haben!

Thematisch war die Editopia sehr breitgefächert aufgestellt. Themenschwerpunkte waren unter anderem Fluidität (z. B. im Vortrag „Who's got the makings? Fluide Transkriptionen als (musik)philologische Herausforderung“ von Christian Lück), Diskriminierungssensibilität (z. B. im Vortrag „Diskriminierung (nicht) edieren. Diskriminierungssensible Editions-Richtlinien am Beispiel der digitalen Edition Annemarie Schwarzenbach“ von Elias Zimmermann, Levyn Bürki) oder Born-digital-Materialien (z. B. im Vortrag „Processuality, Instability, and the Ecdotic Challenge of Born-Digital Electronic Poetry“ von Giuseppe Arena). Verbunden waren die Vorträge mit unterschiedlichsten Editionsprojekten aus der Romanistik, Germanistik, Musikwissenschaft, Geschichte und vielem mehr.

Ein Aspekt kam während der Tagung über alle Schwerpunkte hinweg, sowohl in den Vorträgen als auch während der Diskussionen, immer wieder zur Sprache: Der Einsatz von KI und seine Möglichkeiten bzw. die damit verbundenen Probleme. Ist eine von der Maschine erstellte Edition überhaupt wissenschaftlich oder muss sie dafür von einem Menschen erstellt worden sein? Braucht es in der Zukunft überhaupt noch Editionsvorhaben oder kann jeder mithilfe von KI für seine Forschung perfekt zugeschnittene Editionen erstellen? Was würde passieren, wenn KI bessere Editionen erstellen könnte, als es für den Menschen möglich ist?

Als jemand, der KI privat eher gespalten bis abgeneigt gegenübersteht, kamen diese Diskussionen für mich zwar nicht völlig unerwartet, aber ich war dennoch von ihrem Umfang und ihrer Tiefe überrascht. Aber anstatt mich von der ganzen Thematik abschrecken zu lassen, bin ich im Gespräch mit den anderen Teilnehmenden vor Ort auf eine Idee gekommen: in einem kleinen Experiment wollte ich persönlich ausprobieren, was derzeit für ‚Laien‘ mit den großen LLMs möglich ist. Mithilfe der KI Claude von Anthropic (Sonnet 5) nahm ich mir also vor, eine „Mini-Edition“ für das Anfangskapitel der deutschen Chronik des Klosters Ribnitz zu erstellen, mit der ich mich im Zuge meines Studiums der Geschichtswissenschaft und Latinistik an der Universität Rostock zuvor schon länger beschäftigt hatte. 

Wichtig war mir dabei, dass das Faksimile neben der Transkription zu sehen sein sollte. Außerdem wollte ich, dass die einzelnen Zeilen in der jeweils anderen Version markiert werden sollten, wenn man diese mit der Maus berührte, und ich wollte Annotationen in der Transkription haben, die einem durch Hovern mit der Maus angezeigt werden würden. 

Ursprünglich dachte ich, dass das bestimmt sehr zeitintensiv sein würde. Als Grundlage hatte ich nur eine docx-Datei mit der Transkription des Kapitels, die der Edition des Textes von Friedrich Techen aus dem Jahr 1909 folgt, sowie das Faksimile aus dem Landeshauptarchiv Schwerin. Aber innerhalb von nur zwei Prompts hatte ich eine funktionierende, zeilensynchrone Mini-Edition und mit einem dritten Prompt habe ich zuletzt noch alle Annotationen einfügen können.

Für das Ganze habe ich ein GitHub-Repository erstellt und mir mittels GitHub-Pages eine HTML-Seite ausgeben lassen.

Zunächst war ich, trotz aller Tagungsdiskussionen, überrascht, wie einfach das alles letztlich funktioniert hat. Durch meine grundlegenden XML- und HTML-Kenntnisse habe ich auch genug verstanden, um kleine inhaltliche Änderungen vorzunehmen. Schnell ist mir jedoch aufgefallen, dass mir die Details, z. B. warum bestimmte Dinge in der HTML-Struktur so formuliert sind, nicht klar waren und dass ich mit meinem derzeitigen Wissensstand aus dem Stegreif keine tiefgreifenden strukturellen Änderungen durchführen könnte. Ich glaube daher, dass dieses ‚reine Erstellen‘ über große LLMs für ‚Laien‘ noch in weiter Zukunft liegt, besonders weil die Überprüfbarkeit mit zunehmender Größe der Edition immer schwieriger wird. Ich bleibe aber weiterhin gespannt, was die Profis mit dieser Technologie noch alles anfangen können (oder ob es sich doch noch als große Blase entpuppt und wir bald auf andere Technologien umsteigen?) und nehme besonders mit, dass ich mich mit dem technischen Aspekt der DH noch viel tiefer auseinandersetzen muss.

Trotz meiner ursprünglichen Angst, dass ich mich noch viel zu früh in meiner Laufbahn befinde, um sinnvoll an der Editopia teilzunehmen, habe ich unfassbar viel mitgenommen und das nicht nur inhaltlich: Ich habe tolle Menschen kennengelernt, ein neues Gefühl für die Digital Humanities entwickelt und mich inspiriert gefühlt, selbst Neues auszuprobieren. Dank all dieser Erfahrungen sehe ich meiner Zukunft in den DH nun selbstsicherer entgegen!


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