Nachruf für Professor Helmut Lethen (1939 bis 2026)

Helmut Lethen lehrte von 1996 bis 2004 als Professor für Neuere und neueste Deutsche Literatur am Institut für Germanistik an der Universität Rostock. Debattenprägend bis in die Gegenwart wirkte insbesondere seine 1994 erschienene Studie „Verhaltenslehren der Kälte. Lebensversuche zwischen den Kriegen“, in der er am Beispiel von so verschiedenen Autoren wie Bertolt Brecht und Ernst Jünger aufzeigte, wie unter dem Eindruck eines verlorenen Weltkrieges und seiner politischen, sozialen und moralischen Verwerfungen ein neues Empfinden entstanden ist bzw. verstärkt wurde. Denn im Zuge der Neuen Sachlichkeit der Weimarer Republik dominierte ein Kältediskurs die ästhetischen Debatten, die schon um Gottfried Benns Frühwerk „Morgue“ (1912) geführt worden waren. Lethens klinischer Blick führte ihn daher konsequent zu Benns radikaler Artistik und Poetik: 2006 erschien sein Buch „Der Sound der Väter. Gottfried Benn und seine Zeit“.

2014 erhielt Lethen den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse für seine kulturwissenschaftliche Studie „Der Schatten des Fotografen. Bilder und ihre Wirklichkeit“, in der er die Frage von Moral und Ästhetik erneut aufwarf und am Beispiel des Fotografen Robert Capas exemplifizierte. 2025 schließlich erschien sein Selbstversuch „Stoische Gangarten. Versuche der Lebensführung“.

Mit Helmut Lethen verlieren die Geisteswissenschaften eine ebenso herausragende wie anregende Denkerpersönlichkeit sowie einen brillanten Wissenschaftler im Spannungsfeld von Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaft. Die Rostocker Germanistik hält ihren ehemaligen Kollegen Helmut Lethen in ehrendem Angedenken.

Den offiziellen Nachruf auf Helmut Lethen der Universität Rostock sowie der Philosophischen Fakultät finden Sie hier.
 


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