Forschung
Laufende Forschungsprojekte
Beteiligungen
seit 5/2025
Mitglied im Programming Committee des International Medieval Congress (IMC) Leeds: Strand Coordinator Language & Literature: Germanic
seit 6/2024
Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Reihe Bibliothek des Buchwesens (Hg. von Ursula Rautenberg), Hiersemann Verlag
Mitgliedschaft im Verbund Mittelaltergermanistik Nord
seit 2019
Assoziiertes Mitglied im DFG-Schwerpunktprogramm 2130: Übersetzungskulturen der Frühen Neuzeit (Sprecherin: Prof. Dr. Regina Toepfer, JMU Würzburg)
seit 2017
Mitglied im Forschungsverbund Frühe Neuzeit Südwest
Eigene Projekte
Zeitpraktiken des Buches. Eine Medien- und Kulturgeschichte der „Kurzweil“ (1400–1700)
Das Forschungsprojekt fragt nach der Herausbildung von Praktiken im Umgang mit dem Buch als Objekt der Lektüre, der Zeitgestaltung sowie der ökonomischen Gewinnmaximierung. Damit kommt ein bisher vernachlässigter Aspekt der europäischen Buchkultur in den Blick. Denn die Ökonomisierung der Prozesse von Buchherstellung, Vermarktung und Distribution (vgl. Rautenberg 2003) basieren auf einem geänderten Bedürfnis nach der Gestaltung von (freier) Zeit („Lesezeit“). Indem die merkantilen Kalküle dieses Bedürfnis bedienen, antworten sie auf Vorlieben des Publikums, die verfügbare Zeit durch literarische Erzählpraktiken („Kurzweil“) optimal zu nutzen (vgl. Müller 1985, 15–25).
Gerade die an der medienhistorisch signifikanten „Umbruchszeit“ (1400–1700) zu beobachtende Spannung zwischen ökonomischer Praxis, Zeitmanagement und literarischer Produktion setzt dynamische Prozesse frei, die neuen Umgangsformen mit dem Medium „Buch“ Vorschub leisten, und die auch noch unser heutiges Verständnis maßgeblich prägen. Das Forschungsprojekt setzt die Untersuchung daher an drei Sektoren an: 1) Ökonomien des Buches; 2) Zeit des Lesens; 3) mediale Bedingungen des Erzählens.
Ausgehend von den Übergängigkeiten auf dem Feld der medialen Vermittlungsformen, der zeitlichen Verfügbarkeit „privater“ Lektüre und der literarischen Thematisierung der Notwendigkeit zur „Ver-Kürzung“ von Zeit soll das Signum einer „Medien- und Kulturgeschichte der Kurzweil (1400–1700)“ erarbeitet werden. Ziel ist es, das Netz intermedialer Bezugshorizonte erstmals in einem inno-vativen, interdisziplinären Zugriff zu erfassen und in seiner Valenz für eine vergleichende Perspektive unterschiedlicher europäischer Literaturräume darzustellen (dt., skand., niederl., pol., engl., frz.).
Diskurslogiken des Hasses. Zum anti-judaistischen Motiv der Blutbeschuldigung (Trient 1475)
Der Trienter Ritualmordprozess gehört zu den aufsehenerregendsten Prozessen dieser Art im Spätmittelalter. Er bildet den Ausgangspunkt für die Legendenbildung um den später als Märtyrer verehrten Simon von Trient. Das immense literarische und mediale Echo, das den Prozess von Anfang an begleitet, ist Gegenstand des Projekts. Ziel ist es, die Rolle der Literatur als Ort der Aushandlung historischer 'Wahrheit' zu erschließen. Hier zeichnen sich spezifische Mechanismen der Verdichtung ab, die über zeitliche Korrelationen einen Ostensionscharakter entfalten, der wiederum einer 'kanonischen' Exemplarik des Falles zuarbeitet: Der Herausbildung eines Heiligkeitsmodells, das Simon mittels hagiographischer Elemente als 'Proto-Märtyrer' inszeniert und dessen passio für aktuelle religionspolitische Ziele instrumentalisierbar macht.
Epische Bauformen. Eine Studieneinführung in die mittelhochdeutsche Epik
Ziel ist es, die großepischen Erzählformen, wie sie sich im 12. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum etablieren, auf wiederkehrende Grundmuster hin zu befragen: Damit sind einerseits narrative Erzählstrukturen gemeint, mit denen sich prototypische Abläufe beschreiben lassen (z.B. Ankunft, Abschied, Gastmahl, Kampf); andererseits handelt es sich um diskursive Elemente, die ein reflexives Moment in die Narration einspeisen können (z.B. Prologe/Epiloge, Erzählerkommentare, Exkurse, Beschreibungen). Solche Strukturen epischen Erzählens stellen literarische 'Bauformen' bereit, aus denen sich die Erzählpoetik der mittelhochdeutschen Epen grundlegend konstituiert.
Abgeschlossene Forschungsprojekte
Eigene Projekte
2017–2022
Poetik der Kürzung. Studien zur mittelhochdeutschen Epik [Habilitation]
Forschungskredit der Universität Zürich. Publikation 2024 in der Reihe Bibliotheca Germanica 80, Open Access
2019–2021
'abbreviatio'. Historische Perspektiven auf ein rhetorisch-poetisches Prinzip
Tagung: SNF Scientific Exchange. Publikation im Schwabe Verlag, Basel 2021, zusammen mit Oliver Grütter, Open Access
2020
Dynamiken literarischer Form im Mittelalter
Sammelband, Zürich: Chronos 2020, zusammen mit Coralie Rippl
2013–2016
Thomas Murners Aeneis-Übersetzung (Straßburg 1515). Lateinisch-deutsche Edition und Untersuchungen [Dissertation]
DFG-Projekt; Publikation im Reichert Verlag, Wiesbaden 2019, 2 Bände, Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Beteiligungen
2018–2022
Assoziiertes Mitglied im SNF-Projekt: Hybride Zeiten. Temporale Dynamiken 1400–1600 (Prof. Dr. Christian Kiening, Universität Zürich)
2018–2021
Kooperierendes Mitglied im Projekt: Epische Versdichtungen im deutschen Kulturraum im 17. Jahrhundert (Leitung: Prof. Dr. Dirk Werle, Universität Heidelberg)
Tagungen / Workshops / Vorlesungsreihen
14.–17.09.2025
Poetik des Dialogs. Redeszenen als Kleinformen im weltlichen und geistlichen Erzählen des Mittelalters
Doppelpanel zusammen mit Dr. Pia Selmayr (Universität Gießen), 28. Deutscher Germanistentag, Braunschweig
04.–08.09.2023
Bibliotheken. Netzwerke kultureller Ordnung
Internationaler Sommerkurs, Universität Zürich
18.–19.11.2022
Textualität und Musikalität in der Frühen Neuzeit
5. Arbeitstreffen des Forschungsverbunds Frühe Neuzeit Südwest (Organisation: Inga Mai Groote, Hein Sauer, Oliver Grütter, Universität Zürich)
20.–22.02.2019
abbreviatio. Formen – Funktionen – Konzepte
Internationale Fachtagung an der Universität Zürich (zus. mit Oliver Grütter)
Herbstsemester 2019
Wissen – Sprache – Kultur. Transfer im Mittelalter
Interdisziplinäre Ringvorlesung des Kompetenzzentrums Zürcher Mediävistik (Organisation zus. mit Dr. Bettina Schöller, Historisches Seminar)
