Ausbildungsangebot

Weshalb Niederdeutsch? – Ausbildungsziele und Berufsaussichten

Die nachfolgenden Ausführungen stellen eine weitgehende Übernahme von der Homepage der Abteilung für Niederdeutsche Sprache und Literatur an der Universität Hamburg dar
(http://www.slm.uni-hamburg.de/ifg1/NdSL/Ausbildungsangebot_NdSL.html)

    Vgl. dazu: Schröder, Ingrid 2002: Niederdeutsch – und dann? Berufsaussichten für Absolventen niederdeutscher Studien. In: Niederdeutsch an den Universitäten. Lehre und Forschung – eine Bestandsaufnahme. Symposion an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg am 30. März 2001. Hg. von De Spieker. Heimatbund für niederdeutsche Kultur e.V. Oldenburg, S. 91–109.

Das Studium des Niederdeutschen soll grundlegende Kenntnisse über die Struktur und Verwendung der niederdeutschen Sprache in Vergangenheit und Gegenwart vermitteln und dazu verhelfen, linguistische Analyseverfahren gegenstandsspezifisch anzuwenden. Die Studierenden sollen Einblick in die wesentlichen Entwicklungslinien der niederdeutschen Literatur erhalten und mit deren Hauptvertretern vertraut gemacht werden. Sie sollen in die Lage versetzt werden, sich auf vielfältige Art wissenschaftlich mit kulturellen Phänomenen auseinanderzusetzen und auf diese Weise Schlüsselqualifikationen erwerben, die in verschiedenen Arbeitsfeldern Anwendung finden können. Ziel ist es, den Studierenden eine regionalspezifische kulturelle Kompetenz zu vermitteln, die unter anderem zu einer späteren Tätigkeit in regionalbezogenen Berufsfeldern qualifizieren soll.

Angesichts der Bedeutung des Niederdeutschen in der Kulturgeschichte und Gegenwart Norddeutschlands stellt eine solche regionalspezifische Kompetenz für zahlreiche Tätigkeitsbereiche einen nicht zu unterschätzenden Vorteil beim Berufseinstieg dar. Arbeitsmöglichkeiten im Anschluss an ein Germanistikstudium mit niederdeutschen Inhalten ergeben sich – ähnlich wie für Absolventen anderer geisteswissenschaftlicher Fächer – in den Bereichen Buch/Medien, Kulturmanagement, Politik/Verwaltung, Wirtschaft und vor allem im Bereich Bildung und Wissenschaft.

In der 1999 beschlossenen Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen haben sich die Länder Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein dazu verpflichtet, das Niederdeutsche im Primar- und Sekundarbereich als integrierten Bestandteil in die Lehrpläne aufzunehmen. Absolventen mit der Zusatzqualifikation Niederdeutsch sollen in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein in zukünftig bevorzugt eingestellt werden. Eine Zusatzkompetenz im Niederdeutschen kann für Lehramtsabsolventen somit Pluspunkte bringen. Auch im Bereich der Lehrerfortbildung eröffnen sich berufliche Möglichkeiten. Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer zum Niederdeutschen werden in den meisten norddeutschen Bundesländern bereits durchgeführt.

Im Bereich Buch und Medien bieten nicht nur Verlage mit einem niederdeutschen Schwerpunkt (z.B. Hinstorff/Rostock oder Schuster/Leer) Arbeitsmöglichkeiten. Radio Bremen und der NDR sind im Medienbereich mit einem Angebot niederdeutscher Sendungen vertreten. Zum Bereich des Kulturmanagements gehören die Organisation und Vermittlung kultureller Aktivitäten im weitesten Sinne. Hier bieten die Niederdeutschzentren und Heimatverbände Arbeitsmöglichkeiten, spielen aber mit dem vorhandenen Stellenpool zur Zeit eine eher geringe Rolle. In den Literaturgesellschaften und von ihnen betriebenen Literaturhäusern, Theatern, Museen und Archiven treten Niederdeutsch-Absolventen in Konkurrenz zu den Hochschulabgängern anderer Studienrichtungen, können aber auf die besondere Kompetenz für regionale Themen verweisen. Für Regionalhistoriker spielt insbesondere die Kenntnis der älteren Sprachstufen des Niederdeutschen eine wichtige Rolle.

Im Bereich Kirche stellt eine Zusatzkompetenz Niederdeutsch im beruflichen Alltag vor allem eine persönliche Bereicherung dar. Kulturpolitik, Kulturverwaltung und dazugehörige Öffentlichkeitsarbeit in Norddeutschland sind durch ihre regionale Bindung immer auch mit der niederdeutschen Sprache und Kulturszene beschäftigt, so daß auch hier eine zusätzliche Qualifikation NdSL einen förderlichen Effekt haben kann. In der Wirtschaft kann eine entsprechende kulturelle Kompetenz sinnvoll eingebracht werden, beispielsweise in Fragen des Stiftungswesens/Sponsorings oder auch im touristischen Sektor, wo plattdeutsche Stadtführungen mittlerweile großen Erfolg haben.

Berufsfelder Kommunikation und Kultur, Bildung und Wissenschaft

Buch und Medien Verlage Bibliotheken Buchhandel Printmedien
Rundfunk Fernsehen Internet
Kulturmanagement Niederdeutschzentren (Heimat-) Verbände Literaturgesellschaften Theater
Museen Archive Kirche
Politik und Verwaltung Kulturpolitik Kulturarbeit Öffentlichkeitsarbeit
Wirtschaft Textproduktion Werbung Präsentation Moderation
Öffentlichkeitsarbeit Stiftungswesen/ Sponsoring Tourismus
Bildung und Wissenschaft Schulen Erwachsenenbildung Hochschulen Forschungseinrichtungen

Studienmöglichkeiten

Die Niederdeutsche Philologie bietet Lehrveranstaltungen sowohl im literatur- als auch im sprachwissenschaftlichen Bereich an. Sämtliche Lehrveranstaltungen sind in die Germanistikstudiengänge integriert und können je nach Thema für die Bereiche "Gegenwartssprache", "Neuere und Neueste deutsche Literatur" oder "Ältere deutsche Sprache / Literatur" abgerechnet werden. Zudem sind einzelne Veranstaltungen für das "studium generale" geöffnet oder können als "Interdisziplinäre Studien" belegt werden. Vereinbarungen über eine wechselseitige Anerkennungen von Lehrveranstaltungen bestehen überdies mit dem Institut für Volkskunde. Themen für Seminararbeiten, Examensarbeiten und Dissertationen werden zum gesamten Spektrum der Niederdeutschen Philologie (Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft, Mediävistik, Didaktik des Niederdeutschen) vergeben werden.

Im BA-Studiengang können Studierende das Vertiefungsmodul G "Niederdeutsche Sprache und Literatur" wählen. Im MA-Studiengang steht der Themenkomplex 6 "Niederdeutsche Sprache und Literatur" zur Auswahl. Für sämtliche Lehrämter ist darüber hinaus der Besuch einer Überblicksvorlesung zur niederdeutschen Sprache und Literatur obligatorischer Bestandteil des Studienplanes. Als Sprachstufenseminar steht neben Veranstaltungen zum Alt-, Mittel- und Frühneuhochdeutschen auch ein Einführungsseminar zum Mittelniederdeutschen zur Auswahl. Der Besuch niederdeutscher Lehrveranstaltungen wird auf Wunsch durch Ausstellung einer gesonderten Bescheinigung zertifiziert.

Prof. Dr. Andreas Bieberstedt

Institut für Germanistik
Am Reifergraben 4
18055 Rostock
Raum 101

Tel.: 49(0)381 498-2550
E-Mail: andreas.bieberstedt(at)uni-rostock.de