Aktuelles

Barlach-Briefe gesucht!

Die Arbeit an der Neuausgabe der Briefe Ernst Barlachs biegt auf die Zielgerade ein. In knapp eineinhalb Jahren, im Dezember 2019, wird die rund 2.100 Briefe umfassende kritische Ausgabe im Suhrkamp Verlag erscheinen. Briefe, Postkarten und Telegramme wurden aus mehr als achtzig Archiven, Museen und Privatnachlässen zusammengetragen und ediert. Nichtsdestotrotz gibt es veröffentlichte Korrespondenzstücke des Güstrower Künstlers, deren gegenwärtigen Standort wir bislang nicht ermitteln konnten. Darüber hinaus vermuten wir weitere unveröffentlichte Briefe, die seit Jahren als verschollen gelten. Aus diesem Grund schalten wir in den Wochenendausgaben der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und in Die Welt vom 25./26. August 2018 sowie in Die Zeit vom 13. September 2018 folgenden Aufruf:

Wenn sich in Ihrer Autographensammlung oder Ihrem Familiennachlass, Ihrem Museum oder Archiv Briefe, Postkarten oder Telegramme Ernst Barlachs befinden, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf:
Prof. Dr. Holger Helbig
49(0)381 498 2540
barlach2020@uni-rostock.de.

Der Kommentar von einem Kommentar

2. Workshop der Ernst Barlach-Briefedition

 

Am 9. und 10. November dieses Jahres lud die Rostocker Arbeitsstelle der Ernst Barlach-Briefedition in Kooperation mit der Ernst Barlach Stiftung Güstrow in die Barlach-Stadt zum zweiten Barlach-Workshop mit dem Titel »Barlach kommentieren« ein. Im Laufe der beiden Tage sollte genauer geklärt werden, auf welche Eigenheiten beim Kommentieren von Künstlerbriefen besonders zu achten ist.
Die Gesprächsrunden wurden durch Impulsvorträge von Dr. Hanna Delf von Wolzogen (Theodor-Fontane-Archiv), Mitherausgeberin der Gustav Landauer-Briefe (1899–1919), Steffen Haug (Warburg Institute, London), wissenschaftlicher Mitarbeiter der Aby Warburg-Briefedition, Dr. Volker Probst (Ernst Barlach Stiftung, Güstrow), Mitherausgeber der Ernst Barlach-Briefedition, André Kischel (Johnson Werkausgabe, Rostock), wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Briefe in der Uwe Johnson-Werkausgabe, sowie Karoline Lemke und Henri Seel von der Ernst Barlach-Edition eingeleitet.
Die Teilnehmer diskutierten über die Einbindung von Überblickskommentaren und Abbildungen, über die Erläuterung sprachlicher Varietäten oder die Berücksichtigung von Gegenbriefen für die Kommentierung. Mit anregenden Einblicken in seine Arbeit trug Ernst Braun, Herausgeber der Max Liebermann-Briefe, immer wieder zur Klärung von Fragen bei.
Dr. Delf von Wolzogen vergegenwärtigte der Runde in einer Überblicksschau die kommunikative Funktion von Briefen vor dem Hintergrund des allgegenwärtigen Medienwandels. Zu Barlachs Zeiten war der Brief ein selbstverständlicher Alltagsgegenstand. Dem heutigen Leser, an den die Briefe ja nicht adressiert sind, gilt es zunächst, die jeweiligen Schreib- und Lesesituationen verständlich zu machen. Darüber hinaus sind auch konkrete Kulturtechniken zu erklären, was es mit Ritzen, Rollen, Falten oder Versiegeln eines Briefes auf sich hat. Zu den Folgen des Medienwandels gehört auch, dass sich angesichts einer verbesserten Quellenzugänglichkeit das Verhältnis zwischen Brief und seiner Kommentierung deutlich verändert hat. Immer wieder wurde in der Diskussion das Verhältnis von frei verfügbarem Wissen und Kontextverständnis abgewogen. Die Leser der Briefe sollen informiert, aber nicht bevormundet werden: Sie sollten alles Wichtige wissen.
Welche Schwierigkeiten mit dieser Devise verbunden sind, verdeutlichte Steffen Haug. Anders als die auf Vollständigkeit angelegte Edition der Barlach-Briefe, gibt die Edition der Briefe des Kunsthistorikers Aby Warburg eine Auswahl der 800 wichtigsten aus den 10.000 überlieferten Briefen wieder. Hier verschärft sich die Frage: Was ist wichtig? Wie im Falle Barlachs auch gilt dabei dem Umgang mit Abbildungen besondere Aufmerksamkeit. Da Bilder eine zentrale Rolle in Warburgs Denken spielten, entschieden sich die Herausgeber dafür, systematisch Bilder aus Büchern und Zeitschriften, die er benutzte, in den Kommentar einzuarbeiten.
Henri Seel und Karoline Lemke verdeutlichten im ergänzenden Kontrast zu bildbezogenen Überlegungen, dass Barlach auch ein Schriftsteller war, der mit Sprache rang und versuchte, ihre Unzulänglichkeit produktiv zu überwinden. Die daraus resultierende ungewöhnliche Lexik erschwere stellenweise die Lektüre. Die sprachlichen Eigenarten Barlachs sollen vor dem Hintergrund des zeitgenössischen Sprachverständnisses den heutigen Lesern erst einmal sichtbar und sodann verständlich gemacht werden. Das erfordert für die Arbeit an der Edition zuallererst eine systematische Betrachtung der sprachlichen Phänomene und ihrer Kommentierung. Für diese Aufgabe wurden mit dem Workshop beste Voraussetzungen geschaffen.
Mit dem »Barlach-Plan«, der in der Barlach-Korrespondenz mit dem Museumsdirektor Dr. Carl Georg Heise ersichtlich wird, rückte Dr. Volker Probst die Rolle von Gegenbriefen in den Fokus. Der Gegenbrief kann selbst bereits als Kommentar eines vorangegangenen Briefes gelesen werden. Dennoch ist für eine Briefedition zu entscheiden, in welchem Maße Gegenbriefe in die Kommentierung eingebunden werden sollen. Bei den wenigen von Barlach überlieferten Gegenbriefen wäre es sogar eine Überlegung wert, alle Gegenbriefe vollständig im Kommentar abzudrucken oder aber diese zumindest zu verzeichnen. Darüber hinaus sind in diesem Zusammenhang Hinweise auf nicht überlieferte, aber in Gegenbriefen erwähnte Korrespondenzstücke interessant. Können in Briefen erwähnte andere Briefe als gesicherte Korrespondenzstücke angesehen werden und sollen sie in die Edition aufgenommen werden? Die Workshop-Teilnehmer plädierten dafür, dass auch solche ermittelten Barlach-Briefe Eingang in den Edition finden, da sie etwa Lücken in der Überlieferung zeigen.
Beschlossen wurde der Workshop mit einem erhellenden Werkstattbericht aus der Briefedition Leipziger Freunde im Rahmen der Uwe Johnson Werkausgabe. André Kischel von der Universität Rostock zeichnete Möglichkeiten und Probleme einer digitalen Edition im Hinblick auf die Kommentierung nach.
Im zwei Tage währenden 2. Barlach-Workshop wurden verschiedenste Aufgaben angesprochen und diskutiert, die bei der Kommentierung von Briefen zu berücksichtigen. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Kontextbezogenheit von Briefen. Der Kontext beeinflusst das Sprechen in Briefen, verdeutlicht aber auch, dass Briefe immer bereits Kommentare von etwas sind. Ein Briefkommentar ist somit immer auch der Kommentar von einem bereits vorliegenden Kommentar. Adressiert ist der neuerliche Kommentar an eine Rezipientengruppe, die für die Ausrichtung der Kommentierung entscheidend ist. In ihrer Bestimmung bleibt sie aber ebenso vage. Insofern sollte es die Aufgabe eines Kommentars sein, den Kontext des Briefes in seinen Entstehungs- und Konstitutionsbedingungen zu erhellen.

Transkribus User Conference 2017

Wien, 2./3. November 2017

 

Ob Briefe, Kirchenbücher oder Zeitungen, Handschriften oder Drucke vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert; die Texterkennungssoftware der Plattform Transkribus wird in ganz unterschiedlichen Projekten in Deutschland, Europa und der Welt genutzt, um Texte zu transkribieren, für eine digitale Edition auszuzeichnen oder zu verschlagworten. Diese und weitere Erkenntnisse gewannen die MitarbeiterInnen der Ernst Barlach-Briefedition auf der Transkribus User Conference 2017 in Wien. Auf Einladung von Roger Labahn vom Institut für Mathematik der Universität Rostock reisten Karoline Lemke und Paul Onasch in die österreichische Landeshauptstadt, stellten die Anwendung der Rostocker Software CITlab für die Briefe von Ernst Barlach vor und gewannen neue Eindrücke im Austausch mit Entwicklern und anderen Projektvertretern.

Neben bestehenden Projekten stellten verschiedene Kooperationspartner des EU-geförderten READ-Projektes, aus dem Transkribus hervorgegangen ist, neue Tools vor. Studierende und Interessierte können in Zukunft über eine E-Learning-Plattform historische Handschriften erlernen. Bereits abrufbar ist die DocScan mobile App, mit der Dokumente vom eigenen Smartphone gescannt/fotografiert und anschließend in Transkribus genutzt werden können - eine praktische Möglichkeit vor allem für Bibliotheken und Archive. Das zugehörige ScanTent soll demnächst in die serienmäßige Produktion gehen.

Mit Algorithmen Barlach lesen

Arbeitsmaske des Programms Transkribus mit einem Brief Barlachs an seinen Bruder Nikolaus

Mit Algorithmen Barlach lesen Für die Briefedition Barlach 2020 stehen die Mitarbeiter vor der Aufgabe, die mehr als 2.000 Briefe Ernst Barlachs zeichengenau zu transkribieren. Hierbei werden sie seit Juni 2016 von Algorithmen unterstützt.

Die Möglichkeit einer solchen computergestützten Handschriftenerkennung wird durch die Einrichtung Digitalisierung & Elektronische Archivierung (DEA) der Universität Innsbruck auf der Plattform Transkribus zur Verfügung gestellt. Im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung mit der Rostocker Forschungsgruppe CITlab (Computational Intelligence Technology Lab) wird Transkribus für die Besonderheiten der Handschrift Ernst Barlachs trainiert.

Die Software ist in der Lage, sowohl die grobe Struktur eines Textes, als auch dessen Zeichen, Wörter und Wortgruppen zu erkennen. Die Ergebnisse stehen anschließend in unterschiedlichen Ausgabeformaten zur Verfügung. Unter Anleitung eines Mitarbeiters bedient eine studentische Hilfskraft die Software. So werden mithilfe von Transkribus in den kommenden Monaten rund 500 bislang unveröffentlichte Briefe transkribiert. Die hierdurch entstehenden Daten dienen in erster Linie der Herstellung einer Textbasis für die Briefedition, sind aber auch Material für die stetige Verbesserung der Rostocker Algorithmen.

Transkribus und die zugehörigen Algorithmen werden im Rahmen des EU-Projekts READ (Recognition and Enrichment of Archival Documents) entwickelt und sollen zukünftig die Erschließung historischer Dokumente deutlich erleichtern. Hieraus ergibt sich eine Anschlussfähigkeit der im Projekt Barlach 2020 entstehenden Daten für kommende Herausforderungen der Digital Humanities. Weitere Informationen zu Transkribus erhalten Sie hier. spezielle Informationen zur Kooperation zwischen Germanisten und Mathematikern an der Universität Rostock finden Sie in Traditio et Innovatio 2/2016, dem Forschungsmagazin der Universität Rostock.

Arbeitstreffen der Briefedition an der Universität Rostock

Am 16. Mai 2017 fand das vierte Arbeitstreffen der an der Briefedition »Barlach 2020« beteiligten Kooperationspartner an der Universität Rostock statt. In rund eineinhalb Jahren wurden Informationen zu etwa 2.100 Briefen, Postkarten und Telegrammen Ernst Barlachs erfasst. Etwa  80% dieser Korrespondenz liegen in der Rostocker Arbeitsstelle als Digitalisate vor. Sie bilden die Grundlage für die Herstellung einer gesicherten Textbasis.

Die Erschließung der »Arbeitsdokumentation Friedrich Droß« befindet sich nach neun Monaten kurz vor dem Abschluss. Rund 16.600 Blatt wurden verzeichnet und auf Hinweise zu Briefen, deren Standorten und kommentierungsrelevantem Material untersucht. Mit der Recherche nach Standorten von Briefen und Postkarten, die in der Arbeitsdokumentation als Abschriften überliefert sind, wurde in den vergangenen Monaten begonnen.

Einen Schwerpunkt des Arbeitstreffens bildete die Vorbereitung der Kommentierung der Briefe. Hierfür benötigte Kommentierungsrichtlinien wurden diskutiert. Um sie weiter auszuarbeiten wurde in Workshop zum Thema Barlach kommentieren geplant. Er soll am 9./10. November 2017 in den Räumlichkeiten der Ernst Barlach Stiftung Güstrow stattfinden. Bis zum nächsten Arbeitstreffen im November dieses Jahres werden die Mitarbeiter die Transkription der Briefe weiter vorantreiben.

Die »Arbeitsdokumentation Friedrich Droß«

Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Friedrich Droß im Piper Verlag seine zweibändige Edition der Briefe von Ernst Barlach vorlegte. Sie ist bis heute einschlägig. Hinzu gekommen sind wichtige separat veröffentlichte Briefwechsel Barlachs, der mit seinem Verleger Reinhard Piper (1997) sowie der mit seiner Lebensgefährtin Marga Böhmer (2012). Mit der Briefedition »Barlach 2020« sollen die Briefe, Postkarten und Telegramme der drei Editionen zusammengeführt und um weitere veröffentlichte wie unveröffentlichte Briefe ergänzt werden.

Bei der Arbeit daran kann die Rostocker Arbeitsstelle auf das Material zurückgreifen, das Friedrich Droß für seine Ausgabe angehäuft hat. In 31 Ordnern und zehn Mappen liegt eine umfassende Arbeitsdokumentation vor. Die Leihgabe des Ernst Barlach Hauses Hamburg enthält Fotokopien und Abschriften von Briefen Barlachs sowie die umfangreiche Korrespondenz des Editors mit Museen und Archiven, Adressaten von Barlachs Briefen und deren Angehörigen.

Für die dauerhafte Erhaltung der »Arbeitsdokumentation Friedrich Droß« sortierten die wissenschaftlichen Mitarbeiter und Hilfskräfte der Rostocker Arbeitsstelle die Inhalte der Ordner und Mappen in säurefreie Archivmappen und -boxen. Büro- und Heftklammern, Heftstreifen und Folien wurden aus konservatorischen Gründen entfernt.

Die Inhalte der Arbeitsdokumentation werden seit einigen Monaten erschlossen und so für die tägliche Arbeit an der neuen Edition fruchtbar gemacht. Die Mitarbeiter und Hilfskräfte der Briefedition »Barlach 2020« können damit an die an Akribie und Umfang beeindruckende Arbeit des Juristen Friedrich Droß anschließen.

Arbeitstreffen der Briefedition im Landhaus Baur (Elbschlösschen) in Hamburg

Das dritte Arbeitstreffen der an der Briefedition »Barlach 2020« beteiligten Kooperationspartner fand am 20. September 2016 im Landhaus Baur in den Räumen der Hermann Reemtsma Stiftung statt. Deren Geschäftsführer Sebastian Giesen empfing neben der an der Universität Rostock ansässigen Arbeitsgruppe auch die Vertreter der Ernst Barlach Stiftung Güstrow und des Ernst Barlach Hauses Hamburg.

Nach acht Monaten intensiver Arbeit stellte die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Holger Helbig die ersten Ergebnisse der bisherigen Beschäftigung sowie einige Besonderheiten des Briefschreibers Ernst Barlach zur Diskussion. Im Zentrum der Gespräche standen dabei vor allem editorische Fragen, die sich aus der Transkription und Lemmatisierung der ersten rund 200 Briefe ergeben haben. Gemeinsam wurden verschiedene editorische Möglichkeiten durchgespielt sowie Transkriptions- und Editionsprinzipien konkretisiert. Auf diese Weise wurden die Vorstellungen von den entstehenden Bänden greifbarer.

Ernst Barlach als Transreader

Am 23. und 24. Juni 2016 hatte das Rostocker Team der Briefedition »Barlach 2020« zu einem Workshop mit dem Titel Transreading across Media Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den USA, Japan und Deutschland geladen. Ziel der zweitägigen intensiven Gespräche war die Besprechung von Prof. Dr. Huiwen Zhangs Theorie des Transreading und ihrer Anwendung auf die Künstler Ernst Barlach, Käthe Kollwitz und Lu Xun. Laut Prof. Zhang von der University of Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma ist Transreading eine spezielle Form der Intertextualität, bei der ein Autor Traditionsstränge nicht allein rezipiert und fortschreibt, sondern eine Veränderung von Tradition bewirkt. Ins Zentrum solcher Tradierungsbrüche stellt Zhang das Zusammenführen verschiedener kultureller und epochaler Traditionslinien.

Exemplarisch führte Prof. Zhang zu Beginn des Workshops den chinesischen Schriftsteller Lu Xun als Transreader vor, der durch seinen Kontakt mit dem Werk von Käthe Kollwitz die chinesische Literatur durch die Einführung des Prosagedichts bereicherte. Karoline Lemke und Paul Onasch griffen den Ansatz Prof. Zhangs auf und fragten, ob auch das Werk Ernst Barlachs vor dem Hintergrund des Transreading gelesen werden könne. Einflüsse aus Japan und China auf Barlachs Formbewusstsein wurden dabei ebenso diskutiert wie die Bedeutung der Russlandreise im Jahr 1906 und die Rolle der gotischen Plastik für das Schaffen Barlachs als Bildhauer. Darüber hinaus wurden Bezüge zwischen dem bildkünstlerischen und dem literarischen Werk angesprochen, sodass Barlach letztlich als Transreader charakterisiert wurde, aus dessen hybridem Formverständnis sich jedoch im Gegensatz zu Lu Xun keine eigene Schule, sondern ein individueller Stil entwickelte.

Die Kunsthistorikerin und Doktorandin Tomoko Toya von der University of Tokio erweiterte den Blick auf die Kunst Käthe Kollwitz´ und deren Rezeption in Japan und China. Anhand dieses Beispiels konnte die Differenz zwischen bloßer Rezeption und Transreading herausgearbeitet werden: Während die Werke Käthe Kollwitz‘ in Japan lediglich als eine Mode wahrgenommen wurden, führten sie in China durch Lu Xun zur Entwicklung einer neuen Tradition, die die klassische chinesische Literatur und die avantgardistische Kunst der Bildhauerin und Grafikerin zu verbinden wusste.

In anregenden Diskussionen zum Verfahren des Transreading ergaben sich innerhalb der beiden Tage fruchtbare Rückschlüsse auf den Künstler Ernst Barlach und die Bedeutung der kulturübergreifenden und historischen http://www.germanistik.uni-rostock.de/typo3/#_msocom_2 Einflüsse auf sein Werk für die Kommentierungsarbeit der Briefedition.

Für einen Rückblick finden Sie hier das Programm des Workshops:

Arbeitstreffen der Briefedition in Rostock

Am 26. April 2016 trafen sich die an der Briefedition »Barlach 2020« beteiligten Partner im Hauptgebäude der Universität Rostock, um über den aktuellen Stand des Vorhabens ins Gespräch zu kommen.

Die Mitarbeiter der Rostocker Arbeitsstelle präsentierten die Ergebnisse der dreimonatigen Einarbeitungsphase, in der in Zusammenarbeit mit der Ernst Barlach Stiftung Güstrow und dem Ernst Barlach Haus Hamburg bereits mehr als 850 Briefe digitalisiert wurden. Darüber hinaus konnten die ersten transkribierten, edierten und kommentierten Briefe Ernst Barlachs sowie die erarbeiteten Editions- sowie Kommentierungsrichtlinien vorgestellt werden. In rund vier Stunden klärten die Beteiligten Fragen zur Edition und besprachen das Vorgehen der kommenden Wochen und Monate, in denen mit der systematischen Transkription und Lemmatisierung der Briefe begonnen wird und der Bestand der digitalisierten Briefe sukzessive erweitert werden soll.

Antrittsbesuch in Güstrow

Das erste Arbeitstreffen der MitarbeiterInnen des Editionsvorhabens und der am Vorhaben beteiligten WissenschaftlerInnen der Ernst Barlach Stiftung Güstrow fand am 4. Februar 2016 in Güstrow statt.

Dr. Volker Probst, Leiter der Stiftung und des Barlach Museums in Güstrow, sowie seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Franziska Hell zeigten den MitarbeiterInnen aus Rostock die Räumlichkeiten und das Depot des Hauses, wobei der Nachlass, insbesondere die Handschriften, Barlachs in Augenschein genommen wurde.

Gemeinsam wurden erste Arbeitsfelder bestimmt, Aufgaben verteilt und Zeitpläne für die kommenden Wochen und Monate abgestimmt. Die Strecke zwischen Rostock und Güstrow wird in den kommenden vier Jahren öfter zurückgelegt werden.

»Einen Klassiker der Moderne neu entdecken«. Projektstart mit Pressekonferenz in Schwerin

Der Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Mathias Brodkorb, hatte am Freitag, den 15. Januar 2015, in die Landeshauptstadt Schwerin geladen, um mit VertreterInnen der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG, des Ernst Barlach Hauses in Hamburg, der Ernst Barlach-Stiftung Güstrow und einem vierköpfigen Projektteam der Universität Rostock das Editionsvorhaben Barlach 2020 offiziell vorzustellen.

Die Beteiligten legten gemeinsam dar, wie ein solches Projekt vorzustellen sei: als Möglichkeit für LeserInnen, den Künstler Ernst Barlach neu zu entdecken, aber auch als Grundlage für die Forschung nachfolgender Generationen von WissenschaftlerInnen. Die PressevertreterInnen interessierten sich für die interdisziplinäre Verbindung von Philologie mit Kunst- und Kulturgeschichte sowie die Bedeutung der unveröffentlichten Briefe Barlachs. In den vergangenen knapp fünfzig Jahren seit der Veröffentlichung der großen Barlach-Briefausgabe von Friedrich Droß (1968/69) konnten rund 500 bislang weitestgehend unveröffentlichter Briefe ausfindig gemacht werden. Für die nächsten vier Jahre besteht die Hoffnung weitere ermitteln zu können. Minister Brodkorb betonte, dass mit der Briefedition »ein bedeutendes Projekt im Bereich der Geisteswissenschaft bei uns im Land in Angriff genommen« wird, »das auch international für Aufsehen sorgen wird«. Für Volker Probst, Leiter der Ernst Barlach Stiftung Güstrow, bietet das Editionsvorhaben die Möglichkeit, zu Barlachs 150. Geburtstag einen »Klassiker der Moderne neu zu entdecken«.

Im Anschluss fand eine erste Besprechung der Beteiligten statt, bei welcher weitere Absprachen für die ersten Arbeitsschritte getroffen wurden.

Kontakt

Universität Rostock

Briefedition „Barlach 2020“
Gertrudenstr. 11, Torhaus
18057 Rostock

Tel.: 0381/498 2548
E-Mail: barlach2020[at]uni-rostock.de