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Die »Arbeitsdokumentation Friedrich Droß«

Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Friedrich Droß im Piper Verlag seine zweibändige Edition der Briefe von Ernst Barlach vorlegte. Sie ist bis heute einschlägig. Hinzu gekommen sind wichtige separat veröffentlichte Briefwechsel Barlachs, der mit seinem Verleger Reinhard Piper (1997) sowie der mit seiner Lebensgefährtin Marga Böhmer (2012). Mit der Briefedition »Barlach 2020« sollen die Briefe, Postkarten und Telegramme der drei Editionen zusammengeführt und um weitere veröffentlichte wie unveröffentlichte Briefe ergänzt werden.

Bei der Arbeit daran kann die Rostocker Arbeitsstelle auf das Material zurückgreifen, das Friedrich Droß für seine Ausgabe angehäuft hat. In 31 Ordnern und zehn Mappen liegt eine umfassende Arbeitsdokumentation vor. Die Leihgabe des Ernst Barlach Hauses Hamburg enthält Fotokopien und Abschriften von Briefen Barlachs sowie die umfangreiche Korrespondenz des Editors mit Museen und Archiven, Adressaten von Barlachs Briefen und deren Angehörigen.

Für die dauerhafte Erhaltung der »Arbeitsdokumentation Friedrich Droß« sortierten die wissenschaftlichen Mitarbeiter und Hilfskräfte der Rostocker Arbeitsstelle die Inhalte der Ordner und Mappen in säurefreie Archivmappen und -boxen. Büro- und Heftklammern, Heftstreifen und Folien wurden aus konservatorischen Gründen entfernt.

Die Inhalte der Arbeitsdokumentation werden seit einigen Monaten erschlossen und so für die tägliche Arbeit an der neuen Edition fruchtbar gemacht. Die Mitarbeiter und Hilfskräfte der Briefedition »Barlach 2020« können damit an die an Akribie und Umfang beeindruckende Arbeit des Juristen Friedrich Droß anschließen.

Arbeitstreffen der Briefedition im Landhaus Baur (Elbschlösschen) in Hamburg

Das dritte Arbeitstreffen der an der Briefedition »Barlach 2020« beteiligten Kooperationspartner fand am 20. September 2016 im Landhaus Baur in den Räumen der Hermann Reemtsma Stiftung statt. Deren Geschäftsführer Sebastian Giesen empfing neben der an der Universität Rostock ansässigen Arbeitsgruppe auch die Vertreter der Ernst Barlach Stiftung Güstrow und des Ernst Barlach Hauses Hamburg.

Nach acht Monaten intensiver Arbeit stellte die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Holger Helbig die ersten Ergebnisse der bisherigen Beschäftigung sowie einige Besonderheiten des Briefschreibers Ernst Barlach zur Diskussion. Im Zentrum der Gespräche standen dabei vor allem editorische Fragen, die sich aus der Transkription und Lemmatisierung der ersten rund 200 Briefe ergeben haben. Gemeinsam wurden verschiedene editorische Möglichkeiten durchgespielt sowie Transkriptions- und Editionsprinzipien konkretisiert. Auf diese Weise wurden die Vorstellungen von den entstehenden Bänden greifbarer.

Ernst Barlach als Transreader

Am 23. und 24. Juni 2016 hatte das Rostocker Team der Briefedition »Barlach 2020« zu einem Workshop mit dem Titel Transreading across Media Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den USA, Japan und Deutschland geladen. Ziel der zweitägigen intensiven Gespräche war die Besprechung von Prof. Dr. Huiwen Zhangs Theorie des Transreading und ihrer Anwendung auf die Künstler Ernst Barlach, Käthe Kollwitz und Lu Xun. Laut Prof. Zhang von der University of Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma ist Transreading eine spezielle Form der Intertextualität, bei der ein Autor Traditionsstränge nicht allein rezipiert und fortschreibt, sondern eine Veränderung von Tradition bewirkt. Ins Zentrum solcher Tradierungsbrüche stellt Zhang das Zusammenführen verschiedener kultureller und epochaler Traditionslinien.

Exemplarisch führte Prof. Zhang zu Beginn des Workshops den chinesischen Schriftsteller Lu Xun als Transreader vor, der durch seinen Kontakt mit dem Werk von Käthe Kollwitz die chinesische Literatur durch die Einführung des Prosagedichts bereicherte. Karoline Lemke und Paul Onasch griffen den Ansatz Prof. Zhangs auf und fragten, ob auch das Werk Ernst Barlachs vor dem Hintergrund des Transreading gelesen werden könne. Einflüsse aus Japan und China auf Barlachs Formbewusstsein wurden dabei ebenso diskutiert wie die Bedeutung der Russlandreise im Jahr 1906 und die Rolle der gotischen Plastik für das Schaffen Barlachs als Bildhauer. Darüber hinaus wurden Bezüge zwischen dem bildkünstlerischen und dem literarischen Werk angesprochen, sodass Barlach letztlich als Transreader charakterisiert wurde, aus dessen hybridem Formverständnis sich jedoch im Gegensatz zu Lu Xun keine eigene Schule, sondern ein individueller Stil entwickelte.

Die Kunsthistorikerin und Doktorandin Tomoko Toya von der University of Tokio erweiterte den Blick auf die Kunst Käthe Kollwitz´ und deren Rezeption in Japan und China. Anhand dieses Beispiels konnte die Differenz zwischen bloßer Rezeption und Transreading herausgearbeitet werden: Während die Werke Käthe Kollwitz‘ in Japan lediglich als eine Mode wahrgenommen wurden, führten sie in China durch Lu Xun zur Entwicklung einer neuen Tradition, die die klassische chinesische Literatur und die avantgardistische Kunst der Bildhauerin und Grafikerin zu verbinden wusste.

In anregenden Diskussionen zum Verfahren des Transreading ergaben sich innerhalb der beiden Tage fruchtbare Rückschlüsse auf den Künstler Ernst Barlach und die Bedeutung der kulturübergreifenden und historischen Einflüsse auf sein Werk für die Kommentierungsarbeit der Briefedition.

 

Für einen Rückblick finden Sie hier das Programm des Workshops:

Arbeitstreffen der Briefedition in Rostock

Am 26. April 2016 trafen sich die an der Briefedition »Barlach 2020« beteiligten Partner im Hauptgebäude der Universität Rostock, um über den aktuellen Stand des Vorhabens ins Gespräch zu kommen.

Die Mitarbeiter der Rostocker Arbeitsstelle präsentierten die Ergebnisse der dreimonatigen Einarbeitungsphase, in der in Zusammenarbeit mit der Ernst Barlach Stiftung Güstrow und dem Ernst Barlach Haus Hamburg bereits mehr als 850 Briefe digitalisiert wurden. Darüber hinaus konnten die ersten transkribierten, edierten und kommentierten Briefe Ernst Barlachs sowie die erarbeiteten Editions- sowie Kommentierungsrichtlinien vorgestellt werden. In rund vier Stunden klärten die Beteiligten Fragen zur Edition und besprachen das Vorgehen der kommenden Wochen und Monate, in denen mit der systematischen Transkription und Lemmatisierung der Briefe begonnen wird und der Bestand der digitalisierten Briefe sukzessive erweitert werden soll.

Foto: Privat

Antrittsbesuch in Güstrow

Das erste Arbeitstreffen der MitarbeiterInnen des Editionsvorhabens und der am Vorhaben beteiligten WissenschaftlerInnen der Ernst Barlach Stiftung Güstrow fand am 4. Februar 2016 in Güstrow statt.

Dr. Volker Probst, Leiter der Stiftung und des Barlach Museums in Güstrow, sowie seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Franziska Hell zeigten den MitarbeiterInnen aus Rostock die Räumlichkeiten und das Depot des Hauses, wobei der Nachlass, insbesondere die Handschriften, Barlachs in Augenschein genommen wurde.

Gemeinsam wurden erste Arbeitsfelder bestimmt, Aufgaben verteilt und Zeitpläne für die kommenden Wochen und Monate abgestimmt. Die Strecke zwischen Rostock und Güstrow wird in den kommenden vier Jahren öfter zurückgelegt werden.

Foto: Christian Menzel, SVZ vom 05.02.2016

»Einen Klassiker der Moderne neu entdecken«. Projektstart mit Pressekonferenz in Schwerin

Der Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Mathias Brodkorb, hatte am Freitag, den 15. Januar 2015, in die Landeshauptstadt Schwerin geladen, um mit VertreterInnen der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG, des Ernst Barlach Hauses in Hamburg, der Ernst Barlach-Stiftung Güstrow und einem vierköpfigen Projektteam der Universität Rostock das Editionsvorhaben Barlach 2020 offiziell vorzustellen.

Die Beteiligten legten gemeinsam dar, wie ein solches Projekt vorzustellen sei: als Möglichkeit für LeserInnen, den Künstler Ernst Barlach neu zu entdecken, aber auch als Grundlage für die Forschung nachfolgender Generationen von WissenschaftlerInnen. Die PressevertreterInnen interessierten sich für die interdisziplinäre Verbindung von Philologie mit Kunst- und Kulturgeschichte sowie die Bedeutung der unveröffentlichten Briefe Barlachs. In den vergangenen knapp fünfzig Jahren seit der Veröffentlichung der großen Barlach-Briefausgabe von Friedrich Droß (1968/69) konnten rund 500 bislang weitestgehend unveröffentlichter Briefe ausfindig gemacht werden. Für die nächsten vier Jahre besteht die Hoffnung weitere ermitteln zu können. Minister Brodkorb betonte, dass mit der Briefedition »ein bedeutendes Projekt im Bereich der Geisteswissenschaft bei uns im Land in Angriff genommen« wird, »das auch international für Aufsehen sorgen wird«. Für Volker Probst, Leiter der Ernst Barlach Stiftung Güstrow, bietet das Editionsvorhaben die Möglichkeit, zu Barlachs 150. Geburtstag einen »Klassiker der Moderne neu zu entdecken«.

Im Anschluss fand eine erste Besprechung der Beteiligten statt, bei welcher weitere Absprachen für die ersten Arbeitsschritte getroffen wurden.

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